Prinzen-Schützengesellschaft Borghorst

von 1490 e.V.

Emmausgang

Der Emmausgang

Der Emmausgang ist der alljährliche Gang der Prinzen Schützen mit der Emmauslaterne (Foto) zur St. Nikomedes-Pfarrkirche. Er findet immer am Ostersonntag bei Einbruch der Dunkelheit statt.

Die Laterne wird dabei traditionsgemäß vom amtierenden König der Gesellschaft zur Kirche getragen, wo er während einer Andacht drei „Vater unser“ spricht.

Der Stifter der Emmauslaterne: Alexius Friedrich Fürst zu Bentheim und Steinfurt (1781-1866)

Der Alljährliche Kirchgang

Mit der Stiftung der Laterne verknüpften die „Schütten tho Borchorst“ eine besondere Auflage, die darin besteht, dass der Emmausgang jährlich stattfinden und bei einer Unterbrechung eingestellt werden müsse mit der Folge der Rückgabe der Laterne an das Fürstenhaus.

Warum sich die Schützen diese Auflage machten, konnte bisher nicht geklärt werden; es ist aber anzunehmen, dass tiefe religiöse Gründe unserer Vorfahren hierfür Wegweiser waren. Diese Auflage brachte durch die Geschehnisse der Zeit, insbesondere durch die Kriege, manche Probleme mit sich.

Die Probleme

Es geschah in den Jahren um 1836, dass ein bereits lange schwelender Streit unter den Junggesellen-Schützen, der auch in den kirchlichen Prozessionen und Feiern nicht gedämpft werden konnte, zum offenen Ausbruch kam. Dieser Streit führte dazu, dass die Spaltung der alten Junggesellen-Schützen nicht mehr aufzuhalten war. Der damalige Bischof zu Münster, Caspar Max, Freiherr Droste zu Vischering verfügte in einem Schreiben vom 23.03.1836: „Wenn eine gütliche Vereinigung nicht wieder stattfindet, sehen wir uns veranlasst, der Junggesellenschaft in Borghorst die Teilnahme an den Prozessionen und kirchlichen Feiern gänzlich zu verbieten.“ Eine Vereinigung oder eine Aussöhnung kam nicht zustande, und somit blieben die Kirchentore für die „Schütten“ verschlossen. 1836 trennten sich die zerstrittenen Parteien. Der alte Stamm nannte sich „Prinzen“ und die neugebildete Gesellschaft nannte sich „Patrioten“.Trotzdem fand der Emmausgang Jahr für Jahr statt, wenn auch nur bis vor das Gotteshaus.

1973 zum 150. Emmausgang öffneten sich für die Prinzen-Schützen wieder die Türen der St. Nikomedes Kirche. Während der Andacht sprach der König Paul Wilms die Gebete.

Unser Emmausgang ist weit über die Grenzen Steinfurts bekannt. Unser Ehrenmitglied Herr Pfarrer em. Holthaus hat den folgenden Artikel der Tagespost Würzburg vom 07. April 2007 zur Verfügung gestellt.

Dem Artikel ist ein Bild aus den Jahren nach 1990 beigestellt, das unser Ehrenmitglied Pfarrer Holthaus und den damaligen Hauptmann Carsten Berning mit der Emmauslaterne zeigt.

Mit der Laterne voran
Die Prinzen-Schützen im münsterländischen Steinfurt unternehmen alljährlich einen Emmausgang
DT vom 07.04.2007
Von Jakob Rabe

Es ist ein bei vielen nahezu in Vergessenheit geratener, aber auch heute noch lebendiger Brauch: Der Emmausgang am oder auf den Ostermontag hin erinnert, vor allem in Süddeutschland und in Österreich, an den Gang der Jünger nach Emmaus, denen sich Jesus Christus unerkannt anschließt. Ausgeführt wird der Emmausgang als geistlicher Gang mit Gebet und Gesang oder als ein besinnlicher Spaziergang durch die erwachende Natur am Ostermontag, der deshalb auch Emmaustag heißt. Einen besonders originellen Emmausgang gibt es heutzutage noch im westfälischen Steinfurt nördlich von Münster.

Die Entstehung dieses Brauches war alles andere als harmonisch. Es geschah in den Jahren um 1836, dass in der beschaulichen Kleinstadt ein bereits lange schwelender Streit unter den Junggesellen-Schützen, der auch in den kirchlichen Prozessionen und Feiern nicht gedämpft werden konnte, zum offenen Ausbruch kam. Dieser Streit führte dazu, dass die Spaltung der alten Junggesellen-Schützen nicht mehr aufzuhalten war. Der damalige Bischof zu Münster, Caspar Max Freiherr Droste zu Vischering, verfügte in einem Schreiben vom 23. März 1836: „Wenn eine gütliche Vereinigung nicht wieder stattfindet, sehen wir uns veranlasst, der Junggesellenschaft in Borghorst die Teilnahme an den Prozessionen und kirchlichen Feiern gänzlich zu verbieten.“ Eine Vereinigung oder eine Aussöhnung kam nicht zustande; damit blieben die Kirchentore für die „Schütten“ verschlossen. 1836 trennten sich die zerstrittenen Parteien. Der alte Stamm nannte sich „Prinzen“ und die neugebildete Gesellschaft nannte sich „Patrioten“. Trotzdem fand der Emmausgang Jahr für Jahr statt, wenn auch nur bis vor das Gotteshaus.

Selbst in den schweren Kriegsjahren war es selbstverständlich, dass der Emmausgang durchgeführt wurde. Im Jahre 1973, anlässlich des hundertfünfzigsten Bestehens des „Ganges der Schütten“, öffneten sich nach über hundert Jahren erstmals wieder die Türen der St. Nikomedes-Kirche, und man zog in einer feierlichen Prozession bis vor den Altar, wo der amtierende König Paul Wilms die Gebete sprach. Seitdem ziehen die Prinzen-Schützen alljährlich am Ostersonntag bei Einbruch der Dunkelheit zur St. Nikomedes-Pfarrkirche. Die Laterne wird dabei traditionsgemäß vom amtierenden König der Gesellschaft zur Kirche getragen, wo er während einer Andacht drei Vaterunser spricht. Woher kommt diese bedeutungsvolle Laterne? Die „Junggesellen-Schützen“, wie sich die Prinzen früher nannten, erhielten im Jahre 1823 eine kunstvoll gearbeitete Laterne vom damaligen Fürsten Alexius Friedrich zu Bentheim und Steinfurt (1781 bis 1866). Die vergangenen, über Jahrhunderte alten guten Beziehungen, die auch heute noch mit dem Steinfurter Fürstenhaus gepflegt werden – der jetzige Fürst Christian ist Ehrenmitglied der Gesellschaft –, ist wohl als Grund für diese großzügige Schenkung zu sehen. Mit der Stiftung der Laterne verknüpften die „Schütten tho Borchorst“ eine besondere Auflage, die darin besteht, dass der Emmausgang jährlich stattfinden und bei einer Unterbrechung eingestellt werden müsse. Warum sich die Schützen diese Auflage machten, konnte bisher nicht geklärt werden; es ist aber anzunehmen, dass tiefe religiöse Gründe unserer Vorfahren hierfür Wegweiser waren. Diese Auflage brachte durch die Geschehnisse der Zeit, insbesondere durch die Kriege, manche Probleme mit sich.

Ähnlich spektakulär wie im westfälischen Steinfurt ist übrigens der Emmausgang im niederbayerischen Zweisel: Von dort zieht alljährlich eine Prozession zur Glasmacherkapelle im Rotkot-Wald. Mit ihrer Wallfahrt am Ostermontag wollen die Gläubigen für den Erhalt und die Stärkung der Glasbetriebe entlang der Glasstraße bitten. Die Prozession mit schönen österlichen Glasgebinden zieht mit dem Pfarrer zusammen zur Kapelle, wo gemeinsam ein Gottesdienst gefeiert wird. Bei der Zeremonie werden dann auch die Glasgebinde geweiht, die man später käuflich erwerben kann. Dadurch sollen die Glashersteller symbolisch unterstützt werden.

Der christliche Ursprung des Steinfurter Emmausganges wie aller anderen Bräuche dieser Art liegt auf der Hand: Im Lukas-Evangelium (24, 13-35) heißt es, dass zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus miteinander über all das redeten, was sich in Jerusalem ereignet hatte. Jesus geht mit ihnen, aber sie erkennen ihn nicht. Erst als er das Brot mit ihnen teilt, erkennen sie, dass es der Herr ist.

Wo der biblische Ort Emmaus genau lag, nach dem Kleophas und sein Begleiter, die wohl beide zum weiteren Jüngerkreis Jesu gehörten, am Auferstehungstag unterwegs waren, um nach dem traurigen Ende ihres Meisters und aller Hoffnungen wieder ihr alltägliches Leben aufzunehmen, ist nicht mehr sicher auszumachen: vermutlich nordwestlich von Jerusalem und wohl auch in der von Lukas angegebenen Entfernung von sechzig Stadien, also 11,1 Kilometer, die sich an einem Tage gut zweimal zurücklegen lassen. Einige Texte haben hundertsechzig Stadien, also 29,6 Kilometer, was aber wohl spätere Korrektur ist auf Grund von Mutmaßungen über den in Frage kommenden Ort.

Heute steht an der Stelle des biblischen Emmaus nahe Jerusalem das Alten- und Pflegeheim Beit Emmaus (Haus Emmaus). Die nächstgelegene Ortschaft ist Qubeibeh (oder Kubeibe, verschiedene Schreibweisen durch Translation aus dem Arabischen). Beit Emmaus liegt etwa elf Kilometer km westlich von Jerusalem und steht unter der Leitung deutscher Ordensschwestern, den Salvatorianerinnen. Grundstück und Gebäude befinden sich schon seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts im Besitz des Deutschen Vereins vom Heiligen Land.

Emmausgang 2010

Am Ostersonntag, dem 04. April 2010 fand nach alter Tradition der 187. Emmausgang statt.

Hauptmann Volker Stockbrink entzündet die Kerzen, rechts das Ehrenmitglied, S.D. Fürst Christian zu Bentheim und Steinfurt

König Andre Linnenbaum trägt die Laterne durch die Stadt zur Nikomedeskirche

Der König spricht die drei "Vater unser" - rechts: das Ehrenmitglied Pfarrer em. Karl Holthaus

4:38 Uhr, die letzte Kerze ist erloschen